Ist die Liebe nur ein Spiel? Ein Reigen in dem wir um unsere Triebe zu befriedigen aneinander herumspielen? Ist es nicht mehr als feinmechanische Magie zum Erregieren, Kopulieren und Ejakulieren? Ist es nicht mehr als das Hacking unserer Bioelektronik zur Reizexplosion in unseren Synapsen? Ist es nicht mehr als Spaß am Gerät?
Natürlich ist es nicht mehr. Natürlich ist es nicht die feine englische Art Menschen, in meinem Fall Frauen, nur als Objekte zu sehen. Doch nach ein paar Erfolgen verlieren die Frauen ihre Namen und ihre Gesichter ihre Bedeutung.
Das richtige Wort, eine witzige Neckerei und ein zärtliches Streicheln schon schmelzen sie dahin.
Ich bin der Don Chuan der Neuzeit. Ich habe alles Gefühl, alle Erotik und alle Liebe in Formeln des Benehmens gegossen. Ich bin der neurolinguistischer Programmierer der Lust. Ich bin Gott, meine ich jedenfalls wenn die Namenlose neben mir befriedigt in die Polster sinkt.
Warum ich diese Zeilen schreibe? Damit etwas von mir bleibt. Ich habe eine jede Minute genossen, habe keine Sekunde bereut und jede Stunde gezählt. Welcher Mann außer mir weiß, dass er im Schnitt zwei Stunden am Tag mit Sex verbracht hat?
Ich bezweifle, dass das außer Callboys und mir jemand weiß. Wie viele Beziehungen habe und wie viele Leben habe ich zerstört und wie viel Leid habe ich beschert? Kaum zu zählen, doch ich weiß, dass ich bestimmt stolz auf mich sein kann.
Lieber mit seinem Horn in einer Frau als der Gehörnte! So obszön es klingt, aber diesem Leitspruch habe ich mich verschrieben.
Doch wie habe ich das gemacht? Ich will es an meiner letzten, an meiner allerletzten, Eroberung erklären. Nicht, dass sie etwas Besonderes gewesen wäre. Sie war wunderschöner Durchschnitt.
Ein keckes Lächeln im süßen Gesicht mit gefährlich blitzenden Augen, von roten Haaren umrahmt. Der Körper so wie ich ihn mir in der heutigen Überflussgesellschaft vorstelle: Durch Sport im Gym die umwerfende Weiblichkeit erhalten und dennoch diesen kleinen Bauch. Nicht groß, gerade so, dass ich ihn bemerkt hatte.
Wie heißt es so schön: Es fehlt ihr nur ein Makel zur Vollkommenheit und ihr fehlte er nicht. Kurz gesagt, sie war in ihrer Durchschnittlichkeit einfach umwerfend.
Ich sah sie im Supermarkt vor der Schokolade stehend. Sie schien darüber nachzugrübeln ob sie der Versuchung nachgeben sollte. Ich setzte mein unscheinbarstes Lächeln auf. Ein Lächeln wie es ein fröhlicher Mann tragen konnte auch ohne auf die Pirsch zu gehen.
Sie warf mir einen Blick zu als sie mich in ihre Richtung gehen hörte, erfasste meine Erscheinung, zögerte kurz und wandte sich wieder der zartesten Versuchung abgesehen von meiner Wenigkeit zu. Ich hatte das interessierte Blitzen in ihren rehbraunen Augen gesehen. Das Spiel war eröffnet.
Jetzt hieß es nur keinen Blödsinn machen. Es galt Wege zu optimieren und das Vorgehen effizient zu gestalten. Wie weit würde ich heut kommen? Diese Frage galt es zu klären. Ich hatte keine Lust ein oder zwei Wochen Zeit zu investieren bis es zum Sex kommt. Also stellte ich mich neben die junge Dame und sah mich um.
Genau vor ihr befand sich das Regal mit der Milkaschokolade. Ich ging in die Knie und während ich nach der Jumbopackung mit den vollen Haselnüssen griff, lies ich meine rechte Hand an ihrem Bein streifen. Zart und tatsächlich so, als wäre es ein Versehen.
Sie zuckte nicht zurück und so genoss ich ihren Duft während ich mich allmählich aufrichtete. Ihr Geruch hatte eine zarte Note eines Hugo Boss Parfüms mit der weiblichen Süße ihres eigenen Duftes. Beim Aufstehen lächelte ich ihr zu, »Oh, Verzeihung.«
Sie erwiderte. Da war genau wonach ich suchte. Ihr Lächeln verriet es. 1:0 für mich! Ausgezeichnet und um nun den Ball nicht zu verlieren schloss ich gleich an die erste Offensive an, »Wie wäre es, wenn ich dich zur Entschuldigung auf einen Kaffee einlade?«
Schelmisch grinsend antwortete sie, »Natürlich, solange ich ihn allein trinken kann.« Ich, ohne mein Lächeln zu verlieren, brachte darauf einen Klassiker in meiner Abwehr: »Das wäre aber Schade wenn du mich um deine Gesellschaft bringst. « Nun war jede meiner Künste gefragt.
Mit ihr war es eine schnelle Partie. Das Heranpirschen war gleich vorbei, auch hatte ich sehr früh den Mantel der Harmlosigkeit aufgegeben - nun musste ich sehen wie ich dennoch durch ihre Abwehr kam.
Mein alter Trick hatte zu meinem Glück gewirkt. Sie schüttelte nur den Kopf während sie die Augen schloss und hob gleich darauf herausfordernd ihr Kinn, »Aber Kuchen muss dann auch sein, wie soll ich sonst einen wie dich aushalten?«
Volltreffer! Sie war gleich ins Du verfallen, somit war der erste Schritt getan. Nach einem kurzen Blick in ihren leeren Einkaufswagen, war mir klar ich, dass ich sie gleich mitnehmen konnte. Ich hielt ihr meinen Arm hin und attackierte weiter, »Komm wir gehen, sonst wird der Kaffee noch kalt.«
Sie lächelte weiter, während sie scherzhaft die Augen kritisch zusammenzwickte und dann in einem kurzen eruptiven Lachen sich einhakte. Zu diesem Zeitpunkt war ich mehr als begeistert von der Dame.
Es war kein Taktikspiel wie sonst. Hier war Angriff die Devise. Ich musste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eines meiner Asse aus dem Ärmel ziehen. Doch wie es schon bei der Nahkampfausbildung beim Heer heißt, galt es nun den Gegner mit Schlägen einzudecken um ihn die Möglichkeit für eine Gegenattacke zu nehmen.
Ich rutschte mit der Hand über mein zweites Handy in meiner Hosentasche und betätigte den Wählknopf. Gleich darauf ertönte mein erstes Handy. Ich entschuldigte mich höflich bei ihr, zog es aus der Innentasche meines Sakkos und hob ab, »Ja, Dr. Währinger. Ja, es freut mich, dass Sie sich durchgerungen haben. Natürlich. Ja, morgen um neun zum Brunch? Ausgezeichnet, nehmen sie die Papiere mit, ich nehme den Notar mit.«
Nun musste ich geschäftsmännisch über diesen schwachen Witz lachen und verabschiedete mich dann, »Auf Wiederhören Herr Hofrat.«
Ich sah die Neugier in ihren Augen, fantastisch - sie hatte sich total im Köder verbissen. Ich schwieg und atmete tief ein, »Wunderbares Wetter, wir sollten uns draußen hinsetzen.«
Sie tat meine Frage ab und hakte nach, »Was tust du beruflich?« Ich sah sie kurz an und setzte eine gelangweilte Mine auf, »Ich bin Head of Sales Management für Mittel- und Osteuropa in einer Flugzeuggesellschaft. Es ging um Bergungshelikopter für das Bundesheer. Wie du hörst, nichts Interessantes ...«
Ich konnte in ihren Augen sehen, dass diese Erfolgsbekundung eingeschlagen hatte wie eine Bombe. Heute klappte auch wirklich alles! Es war mehr als das übliche Spielchen, es war ein Kinderspiel.
Schon während des Kaffees begann ich beim Greifen nach der Tasse zart über ihre Hand zu streichen. Als sie dann die Nähe meiner Hand suchte, schob ich meine Beine näher an die Ihren.
Irgendwann knisterte die Spannung zwischen uns. Ich strich sanft über ihren Handrücken während ihr rechter Fuß an der Innenseite meines Unterschenkels hoch wanderte. Dieses Mal hatte ich wirklich einen Whole in One gelandet.
Langer Rede kurzer Sinn - Wir landeten bei ihr. Und ratet mal was mir fehlte, nein, nicht ihr Ehemann - es war ein Kondom. Doch ihre Küsse, ihre Berührungen waren zu heiß und sie zu jung als dass ich vor etwas Angst haben konnte.
Mal ehrlich, was könnte ich mir schlimmstenfalls von einer 23-Jährigen holen? Mit Tripper kann ich leben. Sie war zu jung um sich etwas Ernsthaftes geholt zu haben und als ich den Rock langsam über die Hüften hinab gleiten ließ, sah ich auch schon das Verhütungspflaster. Es saß auf ihrem Venushügel.
Eine Sünde diesen Bereich mit Chemie versetztem Kunststoff zu entweihen, dachte ich, während ich sie küsste. Was dann kam kann sich ein jeder Leser bestimmt vorstellen. Ich beendete ein perfektes Spiel mit meiner größten Niederlage.
Das war mein Beitrag zum fm4 Wortlaut-Wettbewerb. Eigentlich hatte ich nicht vor diese Geschichte zu veröffentlichen, da mir aber der Gewinnertext (Ein Ölfilm ist der halbe Orgasmus) inhaltlich als das genaue Gegenteil erscheint, konnte ich nicht anders. Diese Version unterscheidet sich durch ein Wort und einen Beistrich von meiner Einsendung. Leider machte das eine Wort den Text unnötig pathetisch - geradezu nervend. Aber im Nachhinein ist man immer klüger.