Donnerstag, 1. Januar 2009

Der Fluch (1/?)

»Ficken?«, rief die Libido fragend in die Runde.

»Also damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet!«, beschwerte sich Franzs Bewusstsein. »Nah ...«, winkte sein Unterbewusstsein ab, »Das war mir schon lang klar. Immerhin hat sich das schon entschieden als Franz noch Windeln trug!«

»Pha! Das hättest du wohl gern! Das war ein kleiner Ausrutscher. Du willst dich doch nur weiter profilieren. Das Freud nicht unumstritten ist, ist jedem klar, der sich etwas mit Psychologie auseinandergesetzt hat!«, mischte sich der Intellekt ein.

»Ficken!«, fuhr die Libido dazwischen. »Nein, die Stimmung ist dahin ...«, klärte Empathie die Runde auf.

»Ficken ...«, jammerte Libido.

Franz schüttelte den Kopf. Hatte er Michaela gerade Mama genannt? Sex konnte er sich für diese Nacht jedenfalls aufzeichnen. Michaelas Wangen verloren an Farbe. Vom aufgeheizten rot kippten sie ins bleiche weiß.

»Wie war das?«, hauchte sie angestrengt während Franz zur Seite kippte. »Ich habe dich Mama genannt ...«

Noch während sich Michaela ihr Höschen wieder anzog, wurde dem jungen Mann klar, auch in diesem Bett sollte seine Odyssee kein Ende finden. Dabei war er so sicher gewesen zwischen ihren Schenkeln den Fluch brechen zu können.

»Äh, ich ruf dich an ...«, flüsterte Michaela zum Abschied.

»Jaja, einfach Scheiße!«

Sonntag, 16. November 2008

Feuertaufe

Feuertaufe
„Vorwärts! Vorwärts!“, die Unteroffiziere blähen sich auf und prusten gegen den Feind. Wären seine Stellungen aus Stroh, wir hätten den Krieg schon gewonnen.
„Vorwärts! Vorwärts!“, ich hebe mich aus der Grube heraus, stoße mich ab und laufe in den Hagel der Projektile. Trommelnd applaudiert uns die feindliche Artillerie. Berstend verlieren unsere Leiber das Leben. Wir sind Soldaten.
Marschbefehl
„Vorwärts! Vorwärts!“, brüllen uns die Unteroffiziere das Hirn aus dem Schädel. Kopflos stürmen sie voran. Geistlos folgen wir. Das Kollektiv folgt, der Einzelne stirb – das Vaterland dankt. Wir sind Soldaten.
Artilleriefeuer
Unbarmherzig drängen sich die Granaten zwischen uns. Gnadenlos pumpen sie uns mit Schrapnellen voll. Erbarmungslos zerreißen sie uns die Leiber. Die Maschine zeigt wie es richtig geht. Wir sind Soldaten.
Tod
Geifernd stoben wir in ihre Weiber. Gierig verschlingen wir ihr Essen. Tortur vor der Folter. Tränen werden bei niemandes Tod vergossen. Auch die Menschlichkeit wird nicht beweint. Leben ohne Ideale. Wir sind Soldaten.
Sieg

Samstag, 4. Oktober 2008

Ein perfektes Spiel

Ist die Liebe nur ein Spiel? Ein Reigen in dem wir um unsere Triebe zu befriedigen aneinander herumspielen? Ist es nicht mehr als feinmechanische Magie zum Erregieren, Kopulieren und Ejakulieren? Ist es nicht mehr als das Hacking unserer Bioelektronik zur Reizexplosion in unseren Synapsen? Ist es nicht mehr als Spaß am Gerät?

Natürlich ist es nicht mehr. Natürlich ist es nicht die feine englische Art Menschen, in meinem Fall Frauen, nur als Objekte zu sehen. Doch nach ein paar Erfolgen verlieren die Frauen ihre Namen und ihre Gesichter ihre Bedeutung.

Das richtige Wort, eine witzige Neckerei und ein zärtliches Streicheln schon schmelzen sie dahin.

Ich bin der Don Chuan der Neuzeit. Ich habe alles Gefühl, alle Erotik und alle Liebe in Formeln des Benehmens gegossen. Ich bin der neurolinguistischer Programmierer der Lust. Ich bin Gott, meine ich jedenfalls wenn die Namenlose neben mir befriedigt in die Polster sinkt.

Warum ich diese Zeilen schreibe? Damit etwas von mir bleibt. Ich habe eine jede Minute genossen, habe keine Sekunde bereut und jede Stunde gezählt. Welcher Mann außer mir weiß, dass er im Schnitt zwei Stunden am Tag mit Sex verbracht hat?

Ich bezweifle, dass das außer Callboys und mir jemand weiß. Wie viele Beziehungen habe und wie viele Leben habe ich zerstört und wie viel Leid habe ich beschert? Kaum zu zählen, doch ich weiß, dass ich bestimmt stolz auf mich sein kann.

Lieber mit seinem Horn in einer Frau als der Gehörnte! So obszön es klingt, aber diesem Leitspruch habe ich mich verschrieben.

Doch wie habe ich das gemacht? Ich will es an meiner letzten, an meiner allerletzten, Eroberung erklären. Nicht, dass sie etwas Besonderes gewesen wäre. Sie war wunderschöner Durchschnitt.

Ein keckes Lächeln im süßen Gesicht mit gefährlich blitzenden Augen, von roten Haaren umrahmt. Der Körper so wie ich ihn mir in der heutigen Überflussgesellschaft vorstelle: Durch Sport im Gym die umwerfende Weiblichkeit erhalten und dennoch diesen kleinen Bauch. Nicht groß, gerade so, dass ich ihn bemerkt hatte.

Wie heißt es so schön: Es fehlt ihr nur ein Makel zur Vollkommenheit und ihr fehlte er nicht. Kurz gesagt, sie war in ihrer Durchschnittlichkeit einfach umwerfend.

Ich sah sie im Supermarkt vor der Schokolade stehend. Sie schien darüber nachzugrübeln ob sie der Versuchung nachgeben sollte. Ich setzte mein unscheinbarstes Lächeln auf. Ein Lächeln wie es ein fröhlicher Mann tragen konnte auch ohne auf die Pirsch zu gehen.
Sie warf mir einen Blick zu als sie mich in ihre Richtung gehen hörte, erfasste meine Erscheinung, zögerte kurz und wandte sich wieder der zartesten Versuchung abgesehen von meiner Wenigkeit zu. Ich hatte das interessierte Blitzen in ihren rehbraunen Augen gesehen. Das Spiel war eröffnet.

Jetzt hieß es nur keinen Blödsinn machen. Es galt Wege zu optimieren und das Vorgehen effizient zu gestalten. Wie weit würde ich heut kommen? Diese Frage galt es zu klären. Ich hatte keine Lust ein oder zwei Wochen Zeit zu investieren bis es zum Sex kommt. Also stellte ich mich neben die junge Dame und sah mich um.

Genau vor ihr befand sich das Regal mit der Milkaschokolade. Ich ging in die Knie und während ich nach der Jumbopackung mit den vollen Haselnüssen griff, lies ich meine rechte Hand an ihrem Bein streifen. Zart und tatsächlich so, als wäre es ein Versehen.
Sie zuckte nicht zurück und so genoss ich ihren Duft während ich mich allmählich aufrichtete. Ihr Geruch hatte eine zarte Note eines Hugo Boss Parfüms mit der weiblichen Süße ihres eigenen Duftes. Beim Aufstehen lächelte ich ihr zu, »Oh, Verzeihung.«

Sie erwiderte. Da war genau wonach ich suchte. Ihr Lächeln verriet es. 1:0 für mich! Ausgezeichnet und um nun den Ball nicht zu verlieren schloss ich gleich an die erste Offensive an, »Wie wäre es, wenn ich dich zur Entschuldigung auf einen Kaffee einlade?«
Schelmisch grinsend antwortete sie, »Natürlich, solange ich ihn allein trinken kann.« Ich, ohne mein Lächeln zu verlieren, brachte darauf einen Klassiker in meiner Abwehr: »Das wäre aber Schade wenn du mich um deine Gesellschaft bringst. « Nun war jede meiner Künste gefragt.

Mit ihr war es eine schnelle Partie. Das Heranpirschen war gleich vorbei, auch hatte ich sehr früh den Mantel der Harmlosigkeit aufgegeben - nun musste ich sehen wie ich dennoch durch ihre Abwehr kam.

Mein alter Trick hatte zu meinem Glück gewirkt. Sie schüttelte nur den Kopf während sie die Augen schloss und hob gleich darauf herausfordernd ihr Kinn, »Aber Kuchen muss dann auch sein, wie soll ich sonst einen wie dich aushalten?«

Volltreffer! Sie war gleich ins Du verfallen, somit war der erste Schritt getan. Nach einem kurzen Blick in ihren leeren Einkaufswagen, war mir klar ich, dass ich sie gleich mitnehmen konnte. Ich hielt ihr meinen Arm hin und attackierte weiter, »Komm wir gehen, sonst wird der Kaffee noch kalt.«

Sie lächelte weiter, während sie scherzhaft die Augen kritisch zusammenzwickte und dann in einem kurzen eruptiven Lachen sich einhakte. Zu diesem Zeitpunkt war ich mehr als begeistert von der Dame.

Es war kein Taktikspiel wie sonst. Hier war Angriff die Devise. Ich musste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eines meiner Asse aus dem Ärmel ziehen. Doch wie es schon bei der Nahkampfausbildung beim Heer heißt, galt es nun den Gegner mit Schlägen einzudecken um ihn die Möglichkeit für eine Gegenattacke zu nehmen.

Ich rutschte mit der Hand über mein zweites Handy in meiner Hosentasche und betätigte den Wählknopf. Gleich darauf ertönte mein erstes Handy. Ich entschuldigte mich höflich bei ihr, zog es aus der Innentasche meines Sakkos und hob ab, »Ja, Dr. Währinger. Ja, es freut mich, dass Sie sich durchgerungen haben. Natürlich. Ja, morgen um neun zum Brunch? Ausgezeichnet, nehmen sie die Papiere mit, ich nehme den Notar mit.«

Nun musste ich geschäftsmännisch über diesen schwachen Witz lachen und verabschiedete mich dann, »Auf Wiederhören Herr Hofrat.«

Ich sah die Neugier in ihren Augen, fantastisch - sie hatte sich total im Köder verbissen. Ich schwieg und atmete tief ein, »Wunderbares Wetter, wir sollten uns draußen hinsetzen.«

Sie tat meine Frage ab und hakte nach, »Was tust du beruflich?« Ich sah sie kurz an und setzte eine gelangweilte Mine auf, »Ich bin Head of Sales Management für Mittel- und Osteuropa in einer Flugzeuggesellschaft. Es ging um Bergungshelikopter für das Bundesheer. Wie du hörst, nichts Interessantes ...«

Ich konnte in ihren Augen sehen, dass diese Erfolgsbekundung eingeschlagen hatte wie eine Bombe. Heute klappte auch wirklich alles! Es war mehr als das übliche Spielchen, es war ein Kinderspiel.

Schon während des Kaffees begann ich beim Greifen nach der Tasse zart über ihre Hand zu streichen. Als sie dann die Nähe meiner Hand suchte, schob ich meine Beine näher an die Ihren.

Irgendwann knisterte die Spannung zwischen uns. Ich strich sanft über ihren Handrücken während ihr rechter Fuß an der Innenseite meines Unterschenkels hoch wanderte. Dieses Mal hatte ich wirklich einen Whole in One gelandet.

Langer Rede kurzer Sinn - Wir landeten bei ihr. Und ratet mal was mir fehlte, nein, nicht ihr Ehemann - es war ein Kondom. Doch ihre Küsse, ihre Berührungen waren zu heiß und sie zu jung als dass ich vor etwas Angst haben konnte.

Mal ehrlich, was könnte ich mir schlimmstenfalls von einer 23-Jährigen holen? Mit Tripper kann ich leben. Sie war zu jung um sich etwas Ernsthaftes geholt zu haben und als ich den Rock langsam über die Hüften hinab gleiten ließ, sah ich auch schon das Verhütungspflaster. Es saß auf ihrem Venushügel.

Eine Sünde diesen Bereich mit Chemie versetztem Kunststoff zu entweihen, dachte ich, während ich sie küsste. Was dann kam kann sich ein jeder Leser bestimmt vorstellen. Ich beendete ein perfektes Spiel mit meiner größten Niederlage.

Das war mein Beitrag zum fm4 Wortlaut-Wettbewerb. Eigentlich hatte ich nicht vor diese Geschichte zu veröffentlichen, da mir aber der Gewinnertext (Ein Ölfilm ist der halbe Orgasmus) inhaltlich als das genaue Gegenteil erscheint, konnte ich nicht anders. Diese Version unterscheidet sich durch ein Wort und einen Beistrich von meiner Einsendung. Leider machte das eine Wort den Text unnötig pathetisch - geradezu nervend. Aber im Nachhinein ist man immer klüger.

Sonntag, 21. September 2008

Geschichten aus der U1 - Studien und du

»Manche glauben man könne den sozialen Status an dem öffentlichen Verkehrsmitteln erkennen.«

»So ein Blödsinn!«

»Nein, im Ernst. Während die U1 der typischen Proletenschlauch ist, benützen fast ausschließlich Studenten die U2, die gediegeneren Leute die U4 und der Durchschnitt die U3.«

»Ja, genau ... Und was ist mit der U6?«

»Muss man den wirklich erklären welche Art Leute in der U6 sitzen? Die startet in Floridsdorf!«

»Das heißt gar nichts!«

»Doch, da sind einige soziologische Studien dahinter.«

»Hast du gewusst, dass es Studien in Österreich gibt, das hier überdurchschnittlich viele Deppen zuhause sind, die blindlings "wissenschaftlichen" Studien glauben?«

»Nein, echt? Erzähl …«

Samstag, 20. September 2008

Geschichten aus der U1 - Früher oder Später

Noch im Lachen steckte Bitterkeit, noch im Glückwunsch Gewalt und noch im Händedruck Hass.
So läuft es ab wenn sich Früher und Später begegnen. Evolution sagt dem Mann Besitz zu verteidigen und was nennt er lieber sein Eigen als die Zuneigung einer Frau?

Zornig blitzte Später Früher zu, während dieser aus der Position des Freundes herausgrinste. Dies war kein offener Kampf. Dies war nicht mit Bewegen und Schießen zu gewinnen. Tückisch und ohne Vorankündigung konnte er angreifen, unterstützt durch schwere Artillerie, die Erinnerungen an Früher.

Doch Später fürchtete sich nicht und Früher hatte noch lange nicht aufgegeben.
Dass sie dabei nur nicht auf den Ausgangspunkt vergessen.

Donnerstag, 18. September 2008

Geschichten aus der U1 - Vergessen

Im fahlen Licht der U-Bahn stierte Willhelm ins Dunkel der Fensterscheiben. Seine Schuhe knarzten wenn er die Füße hob, da der Boden mit all seiner Kraft daran kleben bleiben wollte.

„Was mache ich hier?“, grübelte er laut vor sich hin.

Dann kam er zu sich. Leute die ihn so hörten mussten ihn für verrückt halten! Nervös schaute er sich um. Doch es war kein Mensch da, der sich wundern konnte. Es war kein Gesicht da, welches zu einer angewiderten, neugierigen oder mitleidigen Fratze verzogen war. Sein Blick wanderte über verwaiste Sitzreihen. Ganz weit weg saßen vereinzelt ein paar Menschen. Sie unterhielten sich leise.

„Wo bin ich hier?“, fragte er die Einsamkeit. Er war sich sicher, dass ihn nun niemand mehr hörte und dass er sich selbst für verrückt hielt tat nichts zur Sache. Immerhin konnte er selbst wählen, wem er von sich erzählte.

Willhelm sah wieder aus dem Fenster. Draußen wurde es hell. Er hatte den Tunnel wohl verlassen. Wurde es Tag oder Nacht? Er saß hier in der U-Bahn. Aber wo fuhr er hin? Wen kümmerte das?

Dann kam endlich eine Station. „Kagran“

Draußen wartete eine Heerschar an Menschen. „Anscheinend wird es Tag“, kommentierte Willhelm die Lage.

Da die Frage der Tageszeit geklärt war, widmete er sich existentielleren Fragen: „Wer bin ich?“

Außer dem Fauchen der Hydrauliktüren war nichts zu hören. Die Maßen strömten an ihm vorbei, nahmen kaum Notiz von Willhelm. Ein paar wenige warfen ihm einen kurzen mitleidigen Blick zu. Lärm füllte den Wagon.

„Was stimmt nicht mit mir?“, fragte Willhelm in den Strom. Außer Umgebungslärm kam nichts zurück.

„Wer bin ich?“

Als bereits die letzten Fahrgäste hereinplätscherten, brach ein junger Mann aus dem gesichtslosen Brei hervor: „Ein Sandler! Das bist du! Und jetzt schau, dass du weiterkommst!“

„Ah, süßen Vergessen …“, rülpste Willhelm nickend als er das nächste Bier aufmachte.

Montag, 15. September 2008

Zyniker

Zyniker, ein Mensch der unangenehmen Sorte, entschied sich dafür an einem kühlen Montagmorgen einen Spaziergang zu wagen. Während er die belebte Straße herunterschlenderte, stach ihm einer der vermeintlichen Weltverbesserer, im Volksmund Keiler, ins Auge. Doch damit nicht genug, der Keiler sprang auf den Zyniker zu und eröffnete das Wortgefecht mit einem Schnellfeuer: "Hallo, ich bin der Tom! Möchtest du nicht etwas für die Menschen tun? Es ist ganz leicht!"
Der Zyniker sah den jungen Burschen kurz ins Gesicht und erwiderte harsch, "Ja, ich weiß. Aber hierzulande gehe ich dafür ins Gefängnis."
Sichtlich über die Antwort verwirrt, entschied sich der Keiler dafür sich später zu wundern und fuhr mit seinem Programm fort: "Nein, hier doch nicht. Alles was du zu tun brauchst, ist hier zu unterschreiben. Für nur zehn Euro im Monat hilfst du beim Bau eines Brunnens in Nordafrika."
Zyniker überlegte kurz. Was sollte er antworten? So tat er es dem Keiler gleich und blieb beim Standardprogramm: "Ja, sagen Sie mir, wie viel verdienen Sie und wie viel meiner zehn Euro gehen in den Erhalt Ihresgleichen?"
Doch auch darauf wusste der Keiler eine Antwort: "Ach, nicht genug, so leid mir das tut. Würde viel von den zehn Euro für uns abfallen müssten wir kaum an so einem Tag in der Kälte stehen. Was meinst du? Zehn Euro sind hier nicht viel Geld aber dort ein Vermögen. Es ist ganz leicht zu helfen."
Nickend bestätigte der Zyniker: "Ja, zehn Euro sind wirklich nicht viel, dafür bekomme ich gerade eine Wurstsemmel.“
Der Keiler setzte ein vor Freude überquellendes Lächeln auf, "Ich dachte mir gleich, dass du dich für Afrika interessierst …“
Zyniker unterbrach ihn, "Gehen wir davon aus, ich würde mich für Afrika interessieren, nur für einen Moment, dann wüsste ich wohl das gerade der Norden - abgesehen von den Tourismusfleckchen - ein vom Krieg gebeutelter Teil der Erde ist.
Nehmen wir an ich wüsste das und währe dafür ihnen neben der Grundversorgung mit automatischen Waffen auch Wasser zu ermöglichen, was passiert mit meinem Geld? Es durchläuft mehrere Ebenen. Zu aller erst verschwindet hier auf verschiedenen Kanälen Geld und gelangt in die falschen korrumpierten Hände.
Nehmen wir an ich wäre so naiv und ginge davon aus, dass sich niemand - auch Sie sich nicht - mein Spendengeld unter den Nagel reißt, würde das Geld dort doch bei einem Warlord verschwinden.
Nehmen wir an dieser Warlord würde nicht das ganze Geld für sich beanspruchen und zulassen, dass ein Dorf einen Brunnen erhält, dann würden die so überlebenden Kinder in der Militärmaschinerie der Kindersoldaten verschwinden, damit der besagte Warlord seine Zwistigkeit mit anderen lokalen Kriegsherren austragen kann.
Gehen wir davon aus, dass die Kinder doch nicht als Mittel eines lokalen Warlords missbraucht werden und auch nicht die Franzosen, die Chinesen oder eine andere Kolonialmacht sie für Stellvertreterkriege instrumentalisiert, was erlangen sie außer einem Stückchen mehr Abhängigkeit von reichen Ländern?
Ich glaube am meisten ist den Menschen geholfen, wenn die reichen Supermächte ihre Restbestände der veralteten ABC-Waffen an eine Partei der Warlords abtreten. Somit wäre das Gleichgewicht der Gewalt zerschlagen, die Störenfriede tot und die so entstehenden afrikanischen Nationen hätten genug militärische Macht um ausländischen Okkupanten gefährlich werden zu können. Damit wäre das Ausbeuten ein Stück uninteressanter, da es riskanter für Anleger werden würde.
Ich glaube das wäre das Beste, was der reiche Westen tun kann. Er sollte Bomben gegen Frieden tauschen."
Ohne ein Wort des Abschieds wandte sich Zyniker wieder der Straße zu und ging. Er liebte solche Montagmorgen.