Sonntag, 2. März 2008

London (1/3)

Was mache ich da eigentlich, dachte Martin, England, London, da muss ich englisch sprechen! Und wenn ich eines nicht bin, dann ist das ein Sprachentalent. Naja, aber wahrscheinlich hilft’s mir und außerdem hasse ich es an einem Montag nur erzählen zu können gemütlich zuhause gesessen zu haben. Wie Madsen schon singt: Samstag - Ausgehpflicht. Das umschreibt es ziemlich gut.

Der junge Mann schüttelte den Kopf. Es ist eine Schande, dass er keine Freude dabei empfindet. Denn so lungert er immer, ziemlich betrunken in irgendwelchen Bars herum und erinnert sich am nächsten Tag nur teilweise mit wem er überhaupt gesprochen hatte.

Um Himmelswillen, nur kein Langweiler sein. Martin schüttelte den Kopf, es wurde Zeit den Flieger zu besteigen. Das Taxi nach Schwechat hatte ganze 40€ gekostet. Geld, dass dem Schüler in der Börse wehtat. Doch was machte das schon, er hatte wieder etwas zu erzählen.

Grübelnd marschierte er auf den Check-In-Schalter zu. Die witzigste Geschichte die er in den letzten Wochen gehört hatte, war die von einigen jungen Grundwehrdiener die von einem Ausflug in den Puff berichteten.

Zwar sind Huren eine Begleiterscheinung eines Entgeltsystems, wodurch es auch gern als ältestes Gewerbe der Welt bezeichnet wurde, doch Martin war es zu wider. Die erkaufte Intimität ist ein Oxymoron! Ich kann mir auch keine Vertrautheit im Supermarkt kaufen. Zudem ging dieser "Beruf" mit so manchem psychischen Traumata einher, würdigt den Stellenwert der Frau als Mensch herunter und außerdem: Weigh, eine Nutte, dachte Martin.

Doch alle moralischen Bedenken hatten nicht verhindert, dass er sich wahnsinnig über diese Geschichte amüsiert hatte. Die sturzbetrunkene Hin- und Heimfahrt, die Alkoholleiche auf dem Rücksitz die nach der Rückkehr aus dem Bordell wie eine Hund mit bettelndem Blick zum Einsteigen aufforderte und der Fahrservice zum nächsten Bankomaten der es ermöglichte 1500€ an einem Abend loszuwerden, alle diese Details mit feuchtfröhlichem Humor erzählt, waren umwerfend witzig gewesen.

Und was hatte ich zum vorweisen, dachte Martin, nichts. Als zielstrebiger Streber in einer Maturaklasse waren seine vergangenen Jahre an ihm vorbeigezogen. Die eine oder andere Freundin hatte sich zwar ergeben, doch im Endeffekt saß er an den Abenden allein zuhause und lernte.

Lächelnd hievte der Schüler seinen Koffer auf das Laufband neben dem Schalter und hielt seine Karte hin. Die junge Dame nahm sie lächelnd und kümmerte sich um den Rest. Hoffentlich ist der ganze Check-In-Blödsinn vorbei, dachte der 19 Jährige, ich bin jetzt schon müde.