Montag, 3. März 2008

Tiefsinn 2

Robert sah auf. Er stieg aus seinem Auto aus und sah gen Himmel. Die "Abschlussfeier" war vorbei und es war eingetreten was er erwartet hatte. Kaum einer, wenn überhaupt, hatte ihn verstanden.

Ich bin nicht rechts, flüsterte er zu sich selbst, nein, bin ich nicht. Doch konnte man tatsächlich unpolitisch politisieren? Konnte man sich tatsächlich, ohne für eine Seite Stellung zu beziehen, auf eine andere hinhacken? Konnte man die linke Seite kritisch betrachten, ohne nach rechts zu rücken?

Robert schüttelte den Kopf. Es machte ihm Kopfschmerzen. Unverständnis bohrt sich wie ein glühender Speer ins Herz, dachte er kurzerhand. Denn, die großen Tugenden die er früher im linken Lager zu finden glaubte, entpuppten sich nur als verlorene Ideen.

Wild verneinend begehrte er auf. Es musste an ihm liegen, dass die Leute die er bereits aus dem linken Lager kannte, Toleranz nicht groß schrieben. Kopfschüttelnd verneinte er, so ein Blödsinn.

Er schloss seine Augen. Bilder von Neonazis die gewaltbereit auf die Kamera eines Fernsehteams eintraten wurden von den Bildern des schwarzen Blocks während des G8-Gipfels abgelöst. »Imperialistische Schweine!«, brüllten sie und spuckten auf die Kamerateams. Nette Zeitgenossen, alle miteinander, schepperte es durch Roberts Hirn.

Es ist schwer die eine Seite sympathischer zu finden als die andere. Doch wie es aussah musste man links Stellung beziehen um kein Nazi zu sein. Auch wenn beide aus radikalen Idioten bestanden. So ein Scheiß!

Robert schüttelte den Kopf.

Der Asphalt zu seinen Füßen war warm. Die Nacht war angenehm und lauschig. Zeit ins Bett zu gehen, oder vielleicht nicht? Robert hatte sich tatsächlich lang nicht mehr derart einsam gefühlt.

Es schien als käme er einfach nicht mit Meinungen zurecht. Es schien als wäre sein gesamtes Weltbild polemisch und simpel konstruiert. Teilte er wirklich alle Leute in Lager, die sich nur auf dem bereits aufgeweichten Spektrum zwischen Links und Rechts fanden?

Lächelnd schlug sich Robert auf den Kopf. Warum machte er es sich auch so schwer? So viele, anscheinend so unnötige, Gedanken, drücken einen nur runter. Leichter wäre es ständig zu saufen, sich ständig in leichtlebige Vergnügungen zu stoßen.

Als hätte er es nicht probiert. Doch die Überwindung, den eisernen Willen gegen das eigene Sein, gegen die tiefste Überzeugung zu handeln, hatte er nicht. Robert schüttelte den Kopf, sei es wie es sei, er war ein Penner.

Er lies seine Finger knacken. Selbstmitleid ist schwach und dem wird er sich jetzt nicht hingeben.

Doch wer mit 14 plötzlich erwachsen zu sein hat, kann mit 19 sein Alter nicht genießen. Er nickte. Und wer es konnte, dem war er wahrlich darum neidig.