Nörgler: »Vernunft ist es, das ich in den Menschenkindern vermisse. Allesamt ein übler Haufen! Würde Verrat, Raffgier und Neid stinken, wäre unsere schöne Erde nur mit abgeschnittener Nase zu ertragen.«
Träumer: »Für eine jede Tat geschieht auch etwas Gutes! Hier halte ich es wie die östlichen Philosophen. Alles ist im Einklang mit der Welt und dem Kosmos. Und so erblüht für jedes Gräuel eine andere Schönheit auf dieser Welt.«
Blinder: »Also ich seh das anders ...«
Nörgler: »Ja! Komm mir du mit deinen Schönheiten die erblühen. Ein ganzes Feld könnte ich pflücken gehen für die Gräuel die mich nur gestreift haben. Komm, ernähr mir doch die Hungernden und komm, schütz mir doch alle Flüchtlinge mit deinen Schönheiten. Die östliche Philosophie ist es nicht die dir im Hirn spukt, der Dunst der kapitalistischen Maschinerie ist es! Was sagt uns die Volkswirtschaft denn? Nein, nicht dass wir alle reich werden können. Es gilt die anderen Tölpel zu überflügeln um auf deren Kosten Wohlstand zu mehren. Für jedes Gräuel auf der Welt platz einem anderen Bonzen die fette Wampe aus dem Hemd.«
Träumer: »Die freie Marktwirtschaft ist ein demokratisches System. Sie bemächtigt das Volk, den einzelnen Konsumenten, zu entscheiden welches Produkt sich durchsetzt. Die Gunst der Nachfragenden gilt es mit seinem Unternehmen zu gewinnen. So wird es am Ende nur der ehrenwerte Geschäftsmann zu etwas bringen! Warum sonst dort kaufen?«
Blinder: »Also ich seh das anders ...«
Nörgler: »Pa! Demokratisches System bedeutet einen mündigen Demokraten als Basis! Wo sind solche Menschen? Du wirst mir keinen finden. Vielmehr ist die freie Marktwirtschaft der groteske Auswuchs des modernen Moralexorzismus. Kunde und Unternehmer treiben sich gegenseitig die Bedenken aus. Soziale Verantwortung wird für beide ein Fremdwort.
Nein, der Markt erfordert die Härte um das Unternehmen wachsen zu lassen. Ohne die Freisetzung von den 2000 Arbeitnehmern würden wir untergehen. Was? Den Lohn erhöhen im Ausmaß der gewachsenen Inflation? Wirtschaftlicher Wahnsinn, das wäre ein Wachstumsstopp! St. ATX, meinen täglichen shareholder value gib mir heute!
Oh, nein. Etwas anderes kann ich mir nicht leisten. Ich, als einzelner Kunde, kann nichts gegen ein solch gewaltiges Unternehmen ausrichten! Verloren ist das bisschen Geld, dass ich für deren Produkte ausgeb, besonders in der schieren Masse der Käufer, also warum zögern?«
Träumer: »Also soll ich mich im schlechten Treiben der Welt verlieren?«
Nörgler: »Ja, denn alles andere ist Verschwendung von Kraft und Energie. Die dummen Idealisten sind mir ein Dorn im Auge. Ihr unwirkliches Streben für eine bessere Welt, ohne die Fakten sehen zu wollen, bereitet mir Brechreiz! Es gilt zu hinterfragen, zu wissen und zu verabscheuen. Handeln und das unausweichliche Scheitern bringen verzweifelte Agonie. Sinnentleertes Streben und zweckloses Strampeln nenne ich das.«
Blinder: »Also ich seh das genauso ...«
