Zyniker, ein Mensch der unangenehmen Sorte, entschied sich dafür an einem kühlen Montagmorgen einen Spaziergang zu wagen. Während er die belebte Straße herunterschlenderte, stach ihm einer der vermeintlichen Weltverbesserer, im Volksmund Keiler, ins Auge. Doch damit nicht genug, der Keiler sprang auf den Zyniker zu und eröffnete das Wortgefecht mit einem Schnellfeuer: "Hallo, ich bin der Tom! Möchtest du nicht etwas für die Menschen tun? Es ist ganz leicht!"
Der Zyniker sah den jungen Burschen kurz ins Gesicht und erwiderte harsch, "Ja, ich weiß. Aber hierzulande gehe ich dafür ins Gefängnis."
Sichtlich über die Antwort verwirrt, entschied sich der Keiler dafür sich später zu wundern und fuhr mit seinem Programm fort: "Nein, hier doch nicht. Alles was du zu tun brauchst, ist hier zu unterschreiben. Für nur zehn Euro im Monat hilfst du beim Bau eines Brunnens in Nordafrika."
Zyniker überlegte kurz. Was sollte er antworten? So tat er es dem Keiler gleich und blieb beim Standardprogramm: "Ja, sagen Sie mir, wie viel verdienen Sie und wie viel meiner zehn Euro gehen in den Erhalt Ihresgleichen?"
Doch auch darauf wusste der Keiler eine Antwort: "Ach, nicht genug, so leid mir das tut. Würde viel von den zehn Euro für uns abfallen müssten wir kaum an so einem Tag in der Kälte stehen. Was meinst du? Zehn Euro sind hier nicht viel Geld aber dort ein Vermögen. Es ist ganz leicht zu helfen."
Nickend bestätigte der Zyniker: "Ja, zehn Euro sind wirklich nicht viel, dafür bekomme ich gerade eine Wurstsemmel.“
Der Keiler setzte ein vor Freude überquellendes Lächeln auf, "Ich dachte mir gleich, dass du dich für Afrika interessierst …“
Zyniker unterbrach ihn, "Gehen wir davon aus, ich würde mich für Afrika interessieren, nur für einen Moment, dann wüsste ich wohl das gerade der Norden - abgesehen von den Tourismusfleckchen - ein vom Krieg gebeutelter Teil der Erde ist.
Nehmen wir an ich wüsste das und währe dafür ihnen neben der Grundversorgung mit automatischen Waffen auch Wasser zu ermöglichen, was passiert mit meinem Geld? Es durchläuft mehrere Ebenen. Zu aller erst verschwindet hier auf verschiedenen Kanälen Geld und gelangt in die falschen korrumpierten Hände.
Nehmen wir an ich wäre so naiv und ginge davon aus, dass sich niemand - auch Sie sich nicht - mein Spendengeld unter den Nagel reißt, würde das Geld dort doch bei einem Warlord verschwinden.
Nehmen wir an dieser Warlord würde nicht das ganze Geld für sich beanspruchen und zulassen, dass ein Dorf einen Brunnen erhält, dann würden die so überlebenden Kinder in der Militärmaschinerie der Kindersoldaten verschwinden, damit der besagte Warlord seine Zwistigkeit mit anderen lokalen Kriegsherren austragen kann.
Gehen wir davon aus, dass die Kinder doch nicht als Mittel eines lokalen Warlords missbraucht werden und auch nicht die Franzosen, die Chinesen oder eine andere Kolonialmacht sie für Stellvertreterkriege instrumentalisiert, was erlangen sie außer einem Stückchen mehr Abhängigkeit von reichen Ländern?
Ich glaube am meisten ist den Menschen geholfen, wenn die reichen Supermächte ihre Restbestände der veralteten ABC-Waffen an eine Partei der Warlords abtreten. Somit wäre das Gleichgewicht der Gewalt zerschlagen, die Störenfriede tot und die so entstehenden afrikanischen Nationen hätten genug militärische Macht um ausländischen Okkupanten gefährlich werden zu können. Damit wäre das Ausbeuten ein Stück uninteressanter, da es riskanter für Anleger werden würde.
Ich glaube das wäre das Beste, was der reiche Westen tun kann. Er sollte Bomben gegen Frieden tauschen."
Ohne ein Wort des Abschieds wandte sich Zyniker wieder der Straße zu und ging. Er liebte solche Montagmorgen.